75 Jahre Klootschießer und Boßelverein "Brookmerland" Münkeboe/Moorhusen von 1932 e.V.
Einer der ältesten Vereine in unserem Dorf ist der Boßelverein. Er wurde im Frühjahr 1932 auf Initiative von einigen Freunden unseres Friesen- und Heimatspiels ins Leben gerufen. Zur Gründungsversammlung trafen sich die nachstehend aufgeführten Dorfbewohner in Burmanns Gaststätte (heute "Zur Mühle").
Die Namen der Vereinsgründer lauten:
- Gerd Aden, Hermann Behrends, Mehno Behrends, Meinhard Burmann, Neelo Deten, Coord Detmers, - Gerhard Detmers, Lüdde Detmers, Tamme Detmers, Gretus Goldenstein, Hinnerk Rinderhagen, - Jann Ulferts, Dirk Wilken, Jann Wilkensen., Jann Wilken jun., Wilke Wilken(I) und Wilke Wilken(II)
Es wurde eine Art Vereinssatzung entworfen und Gerd Aden zum 1. Vereinsvorsitzenden gewählt.
Damit war der BV Münkeboe entstanden und wurde beim Kreisverband Aurich im Klootschießen und Boßeln angemeldet.
Nunmehr führte man Freundschaftskämpfe gegen benachbarte Vereine bzw. Dörfer durch. Es wurde damals noch nicht um Punkte gekämpft, sondern um kleinere Geldbeträge (z.B.: 5.00 DM ) oder etwa um eine Flasche Schnaps.
Da noch keine gut ausgebauten Asphaltstraßen zur Verfügung standen, mußte man sich mit holperigen Klinkerstraßen begnügen. Die Heimstrecke des BV Münkeboe führte vom Vereinslokal nach Oldeborg.
Geworfen wurde in Gruppen zu sechs Mann, und zwar sechs Runden hin und zurück. Als Wurfgerät benutzte man die Holzkugeln. Zunächst waren es Kugeln aus hiesigem Holz, sogenannte "Windhulers". Später wechselte man auf sogenanntes "Eisenholz" (wahrscheinlich war es Bongossi) und dann auf Pockholz aus den Tropen.
Dieses war schwerer und vor allem widerstandsfähiger. (Das Pockholz stammt vom Guajakbaum aus dem tropischen Zentralamerika und wurde hier früher im Schiffs- und Lagerbau verwendet. Der Sud aus dem gekochten Holz soll als Naturheilmittel gegen die Pocken gewirkt haben. Daher wohl die Bezeichnung Pockholz.)
Da es besonders auf dem Lande nur sehr wenig Autos oder sonstige motorisierte Verkehrsmittel gab, fuhr man zu jedem auswärtigen Wettkampf mit dem Fahrrad. Als äußeres Zeichen wurde die Vereinsfahne mitgeführt, die signalisierte, ob der Wettkampf erfolgreich beendet wurde. Wehte die Fahne auf dem Rückweg im Wind, so war für jeden klar, daß die Boßler wieder einmal gewonnen hatten. Hatten sie jedoch verloren, so wurde die Fahne eingerollt zurückgebracht.
Ein Maskottchen war ebenfalls immer dabei. Es war Jann Geiken Friedrichs, der als Flaschenträger - insbesondere im kalten Winter - mit "Jann-Hepkes-Bittern" für die nötige Aufwärmung der Werfer sorgte. Ohne ihn wurde grundsätzlich kein Wettkampf ausgetragen. Die Wettkämpfe wurden immer Sonntag nachmittags ausgetragen.
Auch wurde schon damals Jugendarbeit geleistet. Manch einer der aktiven Werfer von heute hat durch Wilke Wilken und dessen gedrilltem Handstock das Boßeln erlernt.
Die Fünfziger Jahre waren auch für unseren Verein eine schwere Zeit. Das Geld in der Vereinskasse war knapp, so daß die einzelnen Mannschaften das Geld zum Kauf von Boßelkugeln aus der eigenen Tasche zusammenlegten.
Außerdem zahlten sie noch jeden Monat einen Vereinsbeitrag von 25 Pfennig. Besonders zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die Hilfe und Unterstützung des Vereins seitens der Gemeinde, die wesentlich dazu beigetragen hat, daß der Boßelsport in Münkeboe aufrechterhalten wurde. Da auch die Gründung des hiesigen Fußballvereins im Jahre 1954 in diese Zeit fiel, erfolgte eine starke Abwanderung besonders der jüngeren Werfer dorthin.
Aber deswegen ließen sich die Boßler nicht unterkriegen und knüpften weiterhin Verbindungen zu anderen Vereinen, um sich immer wieder im Friesenspiel zu messen. Besonders gute Beziehungen hatte man zu vielen Vereinen aus dem ehemaligen Landkreis Norden, wo es damals wie heute viele sehr gute Klootschießer und Boßler gab.
Dieses konnte man immer wieder bei Preiswerfen beobachten, wenn es darum ging wertvolle Preise zu erringen. Nicht selten wurde eigens hierfür ein Schwein geschlachtet, das zerlegt und auf die einzelnen Stände verteilt wurde. Man ging auch zu Geschäftsleuten und bat um Spenden für das Preiswerfen. Dafür fuhr man sogar mit dem Fahrrad bis nach Aurich. Einmal hatte Dirk Peters eine Torte gestiftet. Diese wurde von der Moordorfer Mannschaft gewonnen und gleich an Ort und Stelle verzehrt.
Das einschneidenste Ereignis war wohl der Zusammenschluß der beiden ehemals rivalisierenden Vereine "Good um Dreih" Moorhusen und "Brookmerland" Münkeboe. Er erfolgte im Jahre 1965, unter Johann Brungers, Münkeboe (1. Vorsitzender ) und Wilhelm Renken, Moorhusen (2. Vorsitzender).
Dieser Zusammenschluß brachte sowohl sportlich als auch wirtschaftlich einen Aufschwung. Außerdem führte er die Bevölkerung beider Dörfer enger zusammen. Da man sich jedoch nicht einigen konnte, welchen Namenszusatz man fortan nehmen sollte, hieß der Verein seit dem "Boßelverein Münkeboe-Moorhusen von 1932".
Außerdem hatten beide ihre eigene Vereinsfahne, und die sollten auch beide erhalten bleiben.
